Interview mit Rainer Uhle aus dem Dezember 2000

Zum Namen CultiG7:
CultiG7 steht für ‚Kultur in G7’. Wir schreiben das Ganze mit ‚C’, um ein wenig Internationalität hereinzubringen und konstruieren ein Modewort
der Jugendszene (‚ey mann, echt kultig’), um ein wenig jünger zu wirken, als wir sind.

Zum Thema Kultur:
Kultur im Quadrat G7 (und angrenzend H7) ist nichts Neues. Es gibt eine ausgeprägte Esskultur mit drei sehr exklusiven Restaurants, dazu eine Café-
und Kneipenkultur mit zwei Bistros und einer Kneipe. Auch die Kunstszene ist bereits mit zwei Galerien und einer Kunstwerkstatt vertreten.
Nicht zu vergessen das Theaterhaus in G7, das TIG7...
Und dann die ganzen Lebenskünstler, die sich jeden Tag am Waschsalon treffen ...

Warum fängt man mit 41 Jahren ein Galerie Business an?
Da kamen viele Dinge zusammen: u.a. ein wenig Startkapital, eine geeignete Örtlichkeit, die Lust, ungehindert kreativ sein zu können, die Faszination an der Kommunikation mit anderen Menschen, die Freude an der Kunst oder besser der künstlerischen Kreativität von Mitmenschen, der Drang nach mehr Lebensfreude ...
All diese Aspekte und viele mehr fließen in diesem Projekt zusammen.

Welcher Aspekt ist für Sie am wichtigsten?
Sicherlich der Umgang mit den Menschen, ich liebe die Menschen. Leider sehe ich kaum welche in der Galerie (Scherz).
Interessant ist auch der Facettenreichtum der Leute mit denen ich bei den Projekten zusammenarbeite: natürlich die Künstler, dann aber auch die EDV-Spezialisten, WebDesigner, Grafiker, Druckspezialisten, Fotografen, Tontechniker, Musikredakteure, Kunsthistoriker und nicht zu vergessen die Kunden.

Das hört sich sehr technisch an, wie ernst sind Ihre Internet Absichten?
Sehr ernst! Ich will versuchen, die Faszination, die von einem Kunstobjekt ausgehen kann, über das Internet zu vermitteln – den Käufer im Idealfall zu gewinnen, ohne dass er z.B. ein Bild real gesehen hat. Dieses Problem will ich multimedial lösen. Dazu brauche ich gutes Bildmaterial, professionelle Texte und die passende Musik. Das Ganze muß ideal abgemischt sein und über durchschnittliche Internet Technik verteilbar sein.
Das ist eine große Herausforderung!

Wie finden Sie Ihre Künstler?
Durch Zufall!
Dazu eine meiner Lieblingsgeschichten: Ich treffe mit meiner Frau in einem Café zufällig eine aufgeschlossene ältere Dame. Wir kommen rasch ins Gespräch, sie erzählt von ihrem verstorbenen Mann – einem Maler –, ich erzähle, dass ich gerade eine Galerie eröffne, wir einigen uns auf eine Ausstellung mit den Bildern ihres Mannes: Roland Neuer (für mich eine ganz große Entdeckung und ein wunderbarer Zufall)
Oder:
Eine Kollegin fragt mich nach Galerieleisten zum Aufhängen Ihrer Bilder. Ich frage, was für Bilder das denn seien. Sie sagt: Mein Großvater war Maler, es sind Stilleben; jemand hat schon eine Dissertation über das Lebenswerk  ihres Großvaters geschrieben ...
Schon eine neue Spur, der ich nachgehen muß. Das ist sehr aufregend.

Sind Sie selbst künstlerisch tätig?
Am liebsten würde ich gerne Musik machen, aber leider kann ich kein Instrument spielen und es auch nicht lernen, weil mir die Ausdauer dazu fehlen würde. Ich denke, so etwas muss man in der Jugend mit Hilfe der Eltern schaffen. Später schaffen das nur ausgesuchte Leute.
Ich habe versucht, zu fotografieren. Die Fotos auf unserer HomePage sind von mir. Vor ein paar Jahren habe ich in alten Fabriken hier im Umkreis Aufnahmen gemacht. Mich faszinierten dabei besonders apokalyptische und morbide Stimmungen – das geht mir heute noch genauso. Als Lieblingsmotive kristallisierten sich schnell Schalter, Verteiler- und  Sicherungskästen, Schaltzentralen heraus. Oder anders gesagt, ich entdeckte eine Vorliebe für Knotenpunkte – CultiG7 ist auch so ein Knotenpunkt.
Manche Motive fesselten mich derart, dass ich einen ganzen Film darauf verschoss und bei anderen Lichtverhältnissen an darauffolgenden Tagen mehrfach wiederkehrte. Dabei habe ich zum ersten Mal die Besessenheit erahnen können, die einen Künstler mit seinem Werk verbinden kann. Ich denke ich werde die Fotografie wieder aufnehmen, wenn es meine Zeit erlaubt.